Montag, 18 August 2025 14:05

Türkischer Fernsehmoderator wegen Sozialbetrugs verurteilt

Rate this item
(0 votes)
Moderator Adil P. vor Gericht in Stuttgart Moderator Adil P. vor Gericht in Stuttgart Pexels/Foto illustrativ

Ein Fall aus Stuttgart hat für Aufsehen gesorgt. Ein 59-jähriger Moderator, der für den türkischen Sender Eurostar tätig war, wurde schuldig gesprochen, während seiner journalistischen Arbeit in Deutschland unrechtmäßig Hartz-IV-Leistungen bezogen zu haben. Das Amtsgericht Stuttgart verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Inhaltsverzeichnis:

Adil P. und die Arbeit für Eurostar

Adil P., bekannt in der türkischen Community in Deutschland, berichtete über viele Jahre für den Sender Eurostar. Er nahm an Veranstaltungen teil, darunter eine Buchmesse in Frankfurt, ein Schönheitssalon-Besuch in Esslingen und ein Konzert der Sängerin Demet Akalın in Dortmund. Dort führte er Interviews und berichtete regelmäßig für die Zuschauer.

Während seiner gesamten journalistischen Tätigkeit war er jedoch als Hartz-IV-Empfänger registriert. Das Bild des erfolgreichen Moderators, der Nachrichten für die Diaspora produzierte, wurde dadurch stark beschädigt.

Urteil in Stuttgart und finanzielle Summen

Das Amtsgericht Stuttgart sprach am Donnerstag das Urteil. Der Moderator erhielt zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Seit Ende Februar befand er sich in Untersuchungshaft. Während des Prozesses wurde der Haftbefehl aufgehoben, weshalb er nun wieder auf freiem Fuß ist.

  • Zeitraum der Zahlungen: über 20 Jahre
  • Höhe der unrechtmäßig bezogenen Gelder: fast 300 000 Euro
  • Betrag, für den er belangt wurde: 80 703,35 Euro

Da ein Teil der Straftaten bereits verjährt war, konnte nur ein Teilbetrag berücksichtigt werden.

Verpflichtungen und finanzielle Auflagen

Zu den Auflagen des Gerichts gehören mehrere Punkte:

  1. Einmalzahlung von 10 000 Euro
  2. Monatliche Rückzahlungen in festgelegten Raten
  3. Teilnahme an psychologischen Beratungen

Unklar blieb, welche Vermögenswerte der Angeklagte in der Türkei besitzt. Die deutsche Justiz konnte keine vollständige Übersicht über sein Vermögen erhalten, da eine Kooperation mit türkischen Behörden nicht möglich war. Hinweise auf Immobilien oder Konten gab es nicht, allerdings deuteten Rechnungen und Überweisungen an seine Tochter auf weiteres Kapital hin.

Tochter freigesprochen

Auch die Tochter des Moderators stand vor Gericht. Sie wurde wegen Beihilfe angeklagt. Das Gericht sprach sie frei. Sie erklärte, dass sie nichts von den unrechtmäßigen Sozialleistungen gewusst habe.

Hinweis durch anonyme Anzeige

Die Ermittlungen begannen nach einem anonymen Hinweis. Eine Kundin meldete den Fall. Neben seiner Tätigkeit als Moderator habe Adil P. auch Aufträge im Bereich Werbung und Marketing angenommen.

Reaktionen in der türkischen Community

Die türkische Gemeinschaft in Deutschland reagierte gespalten. Viele Mitglieder zeigten sich enttäuscht und betonten, dass das Urteil das Ansehen aller Türken in Deutschland beschädige.

  • Einige Nutzer sprachen von einem Vertrauensverlust
  • Andere forderten eine strengere Strafe und fragten nach möglichen Helfern
  • Ein weiterer Nutzer verteidigte den Moderator und bezeichnete ihn als ehrlichen Mann

Der Fall hat zu einer intensiven Debatte innerhalb der türkischen Community in Deutschland geführt.

Quelle: Stuttgarter Zeitung, wpblogs4free.com/de