Freitag, 18 Juli 2025 13:02

Stuttgart 21 startet nur teilweise

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Bauverzögerung -  Tiefbahnhof startet nur teilweise 2026 Bauverzögerung - Tiefbahnhof startet nur teilweise 2026 fot: pixabay

Die vollständige Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs Stuttgart 21 wird sich verzögern. Statt einer umfassenden Eröffnung im Jahr 2026 ist derzeit nur ein Teilbetrieb vorgesehen. Der alte Kopfbahnhof soll weiterhin genutzt werden. Das neue Inbetriebnahmekonzept, das unter großem Zeitdruck erarbeitet wurde, wird heute im Sonderlenkungskreis vorgestellt. Entscheidungen in dieser Sitzung sind maßgeblich für den weiteren Verlauf des Großprojekts und die künftige Verkehrsplanung in der Region.

Inhaltsverzeichnis:

Sonderlenkungskreis Stuttgart 21 entscheidet über Teilinbetriebnahme

Bereits im Mai wurde der Lenkungskreis über massive Bauprobleme informiert. Die Deutsche Bahn sprach damals offen von weiteren Einschränkungen für Fahrgäste. Daraufhin entstand eine spezielle Arbeitsgruppe mit dem Auftrag, ein alternatives Nutzungskonzept zu entwickeln. Die sogenannte Taskforce erarbeitete in den vergangenen Wochen ein Szenario, das möglichst geringe Auswirkungen auf den laufenden Bahnverkehr hat.

Ziel war es, Zugausfälle und Baustellen besser abzufedern. Das neue Konzept, das heute im Sonderlenkungskreis präsentiert werden soll, sieht vor, den Tiefbahnhof zunächst nur teilweise in Betrieb zu nehmen. Einige Züge sollen ihn ab 2026 nutzen, der alte Kopfbahnhof bleibt jedoch erhalten. Damit werden frühere Aussagen der Bahn, wonach ein Parallelbetrieb ausgeschlossen sei, revidiert.

Tiefbahnhof und Kopfbahnhof sollen parallel genutzt werden

Mehrere Projektbeteiligte bestätigten gegenüber dem Südwestrundfunk, dass eine vollständige Inbetriebnahme technisch nicht realisierbar sei. Der Parallelbetrieb wurde intern bereits vorbereitet. Auch die Stadt Stuttgart plant entsprechend: Für den 21. Juli ist eine Sondersitzung des S21/Rosensteinausschusses angesetzt – zusammen mit dem Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart.

Die Tagesordnung umfasst Anpassungen für die Bebauung der bisherigen Gleisflächen und für den S-Bahn-Verkehr. Der neue Rosenstein-Stadtteil kann erst entstehen, wenn der alte Kopfbahnhof entbehrlich ist. Da dieser weiter betrieben werden soll, könnte sich der Baubeginn verzögern. Das betrifft auch die Verkehrsführung, die Planung von Zugängen sowie langfristige Infrastrukturmaßnahmen im Stadtgebiet.

Anschlussprobleme und Pfaffensteigtunnel bremsen Zeitplan aus

Philipp Nagl, Vorstand der Bahntochter DB-InfraGO, bestätigte vor zwei Wochen die massiven Herausforderungen bei der Anbindung an die bestehende Infrastruktur. Auf dem Bahngipfel mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann erklärte Nagl, dass es sich um „enormen Aufwand über die nächsten zwei, drei Jahre“ handle. Besonders komplex sei der Übergang zwischen Alt- und Neubauten während des laufenden Betriebs.

Hinzu kommen Verzögerungen beim Pfaffensteigtunnel. Dieser Tunnel ist zentral für die Anbindung der Gäubahn an den neuen Tiefbahnhof. Da der Bau noch nicht begonnen wurde, soll die Strecke Zürich–Singen–Horb–Stuttgart künftig in Stuttgart-Vaihingen enden. Die geplante Unterbrechung im Frühjahr 2026 ist jedoch umstritten. Landes- und Kommunalpolitiker fordern seit Wochen eine spätere Stilllegung.

Auswirkungen auf Fahrgäste und lange Laufwege

Für Reisende bleibt die Frage offen, wann die Umwege im Hauptbahnhof verschwinden. Derzeit müssen sie oft weite Strecken zwischen den Bahnsteigen und den Zugängen zurücklegen. Eine Teilinbetriebnahme lässt vermuten, dass sich daran auch ab Ende 2026 nicht viel ändern wird.

Trotzdem schreitet der Ausbau weiter voran: Erst vergangene Woche wurde das erste Eingangsportal des Tiefbahnhofs eröffnet. Die Bahn will alle neuen Zugänge pünktlich fertigstellen. Ein vollständiger Umstieg auf den Tiefbahnhof wird jedoch frühestens in mehreren Jahren möglich sein. Die Koexistenz von Alt und Neu ist beschlossene Sache – zumindest bis 2028.

Quelle: Tagesschau, www.on-the-top.net/de/