Inhaltsverzeichnis:
- Andreas Stihl und Steffen Bilger für eine Tunnelidee
- Winfried Hermann und Beatrice Soltys warnen vor Risiken
- Wirtschaftliche und politische Dimensionen
- Offene Zukunft des Projekts
Andreas Stihl und Steffen Bilger für eine Tunnelidee
Andreas Stihl, Gesellschafter des gleichnamigen Unternehmens, und Steffen Bilger, CDU-Abgeordneter aus Ludwigsburg, befürworteten eine 10,7 Kilometer lange Tunnellösung. Unterstützt werden sie von der Wirtschaftsinitiative „Grüner Tunnel“, die unter anderem von den Unternehmen Stihl, Bosch, Lapp und Trumpf getragen wird.
Die Befürworter sehen im Tunnel eine Chance, Fellbach und Waiblingen mit Kornwestheim effizient zu verbinden. Oberirdische Straßen seien seit Jahrzehnten nicht durchsetzbar gewesen. Stihl verwies auf tägliche Staus in Neckarrems. Er betonte, ein Tunnel bewahre die Landschaft und die Böden. Die Kosten schätzte ein Münchner Planungsbüro auf 1,6 Milliarden Euro. Dem stellte Stihl volkswirtschaftliche Verluste durch Staus von rund 1 Milliarde Euro jährlich gegenüber.
Winfried Hermann und Beatrice Soltys warnen vor Risiken
Winfried Hermann, grüner Landesverkehrsminister, und Beatrice Soltys, Baubürgermeisterin von Fellbach, äußerten massive Zweifel an der Umsetzbarkeit. Hermann rechnete mit Gesamtkosten von mindestens drei bis vier Milliarden Euro. Ein Tunnel verursache schon beim Bau ein Vielfaches an Energiebedarf im Vergleich zu einer Straße. Er wies auch auf die hohen Folgekosten hin, die aktuell bei Sanierungen von Straßentunneln sichtbar werden.
Soltys kritisierte zudem die möglichen Folgen für den Verkehr. Nach ihrer Einschätzung seien die umliegenden Straßen nicht in der Lage, den zusätzlichen Verkehr aus zwei je zweispurigen Röhren aufzunehmen. Sie plädierte für eine Betrachtung aller Verkehrsträger. Besonders die S-Bahn, die in Fellbach oft unzuverlässig sei, müsse stärker einbezogen werden.
Wirtschaftliche und politische Dimensionen
Die Debatte drehte sich auch um die Frage der Finanzierung. Andreas Stihl räumte ein, dass ein Baubeginn frühestens in zehn Jahren realistisch sei. Bis dahin könne sich die Haushaltslage ändern.
Steffen Bilger betonte, dass Visionen notwendig seien, ohne die aktuellen Verkehrsprojekte zu vernachlässigen. Als Beispiel nannte er den Albaufstieg an der A8. Er äußerte die Hoffnung, dass trotz finanzieller Engpässe eine Lösung im Bundeshaushalt gefunden werde.
Offene Zukunft des Projekts
Am Ende blieb offen, ob die Tunnellösung tatsächlich eine langfristige Vision für die Region darstellt oder ein Irrweg ist. Minister Hermann erklärte klar, dass ein Tunnel mit elf Kilometern Länge die Verkehrsprobleme im Raum Stuttgart nicht lösen werde. Für die Befürworter hingegen ist er ein Befreiungsschlag nach einem halben Jahrhundert ergebnisloser Diskussionen um den Nordostring.
Die Diskussion zeigte deutlich:
- Befürworter sehen im Tunnel den Schutz der Landschaft und volkswirtschaftliche Vorteile.
- Gegner warnen vor immensen Kosten, Energieverbrauch und ungelösten Verkehrsfolgen.
- Eine Realisierung wäre frühestens in einem Jahrzehnt denkbar.
Damit bleibt das Projekt ein Symbol für die Spannungen zwischen langfristiger Vision und den Herausforderungen der Gegenwart.
Quelle: STUTTGARTER ZEITUNG, YouTube, www.extratimeout.com